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Freitag, 23. Januar 2015

Jeannette Schocken Preis 2015 geht nach Österreich - Schriftsteller Gerhard Roth erhält begehrte Auszeichnung


Der Jeannette Schocken Preis ist einzigartig in Deutschland. Anders als bei anderen Literaturpreisen, wird das Preisgeld in Höhe von 7500 Euro nicht von der Kommune, von Banken oder einem großen Wirtschaftsunternehmen gestiftet, sondern einzig und allein durch Spenden der Bremerhavener Bürgerinnen und Bürger aufgebracht. In diesem Jahr wird der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth ausgezeichnet.
Unter anderem sein Buch „Orkus“ hat die unabhängige Jury des „Jeanette Schocken Preises - Bremerhavener Bürgerpreises für Literatur“ dazu bewogen, Gerhard Roth den Preis zu verleihen. Der Jury gehören  Dr. Gabriele von Arnim, Zsuzsanna Gahse, Nico Bleutge,
Dr. Hugo Dittberner sowie Wend Kässens an.

Die bundesweit einzigartige Auszeichnung wird von Bremerhavener Bürgerinnen und Bürgern alle zwei Jahre in mahnender Erinnerung an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten, aber auch  an das Schicksal all jener Verfolgten vergeben, für die Bremerhaven oftmals die letzte Station auf der Flucht ins Exil war. Die diesjährige Preisverleihung findet am Sonntag, 17. Mai, um  11 Uhr im Historischen Museum Bremerhaven statt und ist öffentlich.

Zur Begründung hat die Jury ausgeführt:

„Orkus, Reise zu den Toten“ – das ist der Schlussakkord zweier Werkzyklen, an denen der 1942 in Graz geborene Schriftsteller Gerhard Roth mehr als 30 Jahre gearbeitet hat: „Die Archive des Schweigens“ und „Orkus“. Zusammen 15 Bände, Romane, Essays, autobiografische Texte, Reportagen und  verortende „Photo-Notizbücher“ (Roth), die eigenständig die schriftstellerischen Arbeiten ergänzen und erweitern. Das Inferno des 20. Jahrhunderts mit Holocaust und Nationalsozialismus in seinen Auswirkungen auf das alltägliche Leben, das Fühlen und Denken in Österreich im ersten Zyklus. Im zweiten dann die Öffnung ins Fremde, in dem sich das eigene Fremde und die eigene Fremde spiegeln. Eine Welt- und Menschenerkundung von Shakespeareschem Ausmaß. 
„Im Unglück sehe ich das eigentliche Leben“ schreibt Roth und begibt sich in die Abgründe der menschlichen Existenz, in den Wahn, den Verrat und in „die Angst der Seelen“. Im Unbewussten kommen die Höllen zur Sprache. Eine Passage aus Dantes Höllenkapitel in der „Göttlichen Komödie“ steht dem Buch als Motto voran und erzählt vom Dichter, dem die Angst im Gesicht steht, während er voranstürzt auf der Suche nach dem Licht am Horizont.

Da er die Wirklichkeit des Lebens und der Künste nicht trennt, türmt sich ein gewaltiges Bildungsopus, in dem  die Lebendigen und die Toten sich in einer großen Erzählung finden, fiktive und reale aus den Werkzyklen, aus den Lektüren und Wahrnehmungen eines wachen Lebens, aus der künstlerischen  und konkreten Beschäftigung mit dem Leben und dem Tod in unserer Epoche.“

Die bisherigen Preisträger des Jeannette-Schocken-Preises sind:

Irene Dische (1991), Hanna Krall (1993), Louis Begley (1995), Imre Kertész (1997), Tuvia Rübner (1999), Barbara Honigmann (2001), George Tabori (2003), Bei Dao (2005), Lizzie Doron (2007), Ursula Krechel (2009), Richard Sennett (2011) und Péter Esterházy (2013).

Foto: Philipp Horak
Weitere Informationen unter:  www.jeanette-schocken-preis.de

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